Demografieentwicklung Rheinmünster 2030

pyraHeute (25.07.2012) veröffentlichte der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) den Bericht zur Bevölkerungsentwicklung in der Region Mittlere Oberrhein (Land- und Stadtkreise Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt).

Für die Experten war das Ergebnis des Berichtes nicht überraschend: Die Bevölkerung in der Region nimmt ab und zugleich wird die Bevölkerung älter.

Die Presse befasste sich natürlich auch mit diesem Thema. Aber dort liegt das Hauptaugenmerk auf den großen Städten und vielleicht noch auf dem einen oder anderen Ausreißer auf dem Land. Und wie sieht es für Rheinmünster aus? Dieser Frage wollen wir als Bürger für Rheinmünster nachgehen.

Die direkten Zahlen: Rheinmünster hat heute 6646 Einwohner und wird bis im Jahr 2030 auf 6246 Einwohner schrumpfen. Dies ist eine prozentuale Abnahme um 5,1%.

Das hört sich erstmal gar nicht so schlimm an, das sind in absoluten Zahlen aber ein Verlust von 400 Einwohnern. Nimmt man den 4 Personenhaushalt als Normalgröße in Rheinmünster an, dann sind das 100 Haushalte. Oder noch anders ausgedrückt: Das sind 100 Wohnungen/Häuser die in 18 Jahren leer stehen werden.

Unseren Nachbarn ergeht es dabei aber auch nicht anders. Klicken Sie auf dietabelle Alle rechte Tabelle, um sie zu vergrößern und die Daten aller Gemeinden in der Region zu sehen.  Im direkten Vergleich mit Lichtenau oder Hügelsheim steht Rheinmünster sogar noch gut da, im Vergleich mit Gemeinde nördlich von Rastatt aber deutlich schlechter. Im Überblick erkennt man auch, dass die größeren Städte der Region weniger Einwohner einbüßen als die ländlichen Regionen.

Dies ist aber erst die Halbe Wahrheit. Wir werden nicht nur weniger Menschen in Rheinmünster, sondern wir werden auch älter: Während der Anteil der „AlteStruktur Rhmn" an der Bevölkerung in Rheinmünster heute bei etwa 21% liegt wird er im Jahr 2030 auf 34% steigen. Gleichzeitig sinkt die Anzahl junger Menschen unter 18 Jahren von heute 19% auf künftige 15%. (Klicken Sie auf die Grafik zum Vergrößern)

Rhm TabelleIn absoluten Zahlen wird einem die Auswirkung dieser Entwicklung noch deutlicher: Von heute 1266 Jugendlichen bleiben im Jahr 2030 noch 961 Jugendliche übrig! Das sind über 300 Junge weniger oder etwa ein Viertel der heutigen Jugendlichen! (Klicken Sie auf die Grafik zum Vergrößern)

Die Konsequenz daraus ist klar: Wir haben weniger Schüler, weniger Nachwuchs in den Vereinen, weniger ehrenamtlich Tätige bei Feuerwehr und DRK. Man könnte es auch ganz brutal ausdrücken: Ein Viertel weniger Jugendliche bedeutet wir schließen alle Vereine, Schulen, Kindergärten in einem Ortsteil von Rheinmünster. Freiwillige bitte einen Schritt vortreten!

Natürlich wird es niemand wollen, in einem Ortsteil von Rheinmünster den Schlüssel umzudrehen. Diese deutlich übertriebene Aussage führt einem aber klar vor Augen, dass etwas passieren muss. Wir müssen Lösungen für viele Fragen finden:

  • Wie sieht die zukünftige Schulstruktur in Rheinmünster aus?
  • Wie sieht die Infrastruktur für die ältere Bevölkerung aus? Was bietet Rheinmünster an Seniorenresidenzen, altersgerechtem Wohnen, Tagesbetreuung?
  • Wie werden sich die Feuerwehren/DRK diesem Wandel anpassen?
  • Wie werden sich unsere vielen Vereine entwickeln, wenn der Nachwuchs fehlt?
  • Brauchen wir in Zukunft noch Neubaugebiete wenn wir gleichzeitig immer mehr Leerstand im Dorfzentrum haben?

Manche der Antworten auf diese Fragen werden schwer fallen, manche werden auch weh tun. Es macht aber keinen Sinn davor die Augen zu verschließen. Wir brauchen uns auch nicht einzubilden, dass Rheinmünster gegen diesen Trend schwimmen kann. Die Hoffnung, dass unsere Kinder als junge Menschen im Dorf bleiben ist trügerisch. Die Jugend zieht es in die Welt, heute noch mehr als gestern.

Gleichzeitig ist das aber auch eine Chance: Es kommen natürlich auch neue Menschen zu uns. Wir sind sogar in einer glücklichen Lage: Wir haben im Airpark viele innovative Unternehmen und wir sind Standort  eines internationalen Grosskonzerns. Das sind Magnete die Menschen anziehen.

Wir dürfen unsere neuen Nachbarn dann aber auch nicht vergraulen und sie als „Reingeschmeckerte", als Menschen zweiter Klasse behandeln. Die Zeiten, in denen Einheimische Privilegien hatten und Auswärtige „die Restgrundstücke" im Baugebiet bekamen sind vorbei. Ohne Zuwanderung sieht die Bevölkerungsentwicklung für Rheinmünster nämlich noch viel negativer aus. Das würden die ewig Gestrigen besonders spüren.

Soweit darf es einfach nicht kommen. Wir müssen uns den offenen Fragen stellen und auch Entscheidungen wagen, die kurzfristig weh tun aber langfristig richtig sind. Die BfR ist dazu bereit.

 

Quellenangabe: Alle Zahlen und Graphiken aus "Demografiebericht 2012" und zugehörigen Gemeindeprofilen ; Hrsg.:Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO), 76137 Karlsruhe.

Der Bericht mit Anlagen kann auch direkt im Netz geladen werden:

http://www.region-karlsruhe.de/fileadmin/files/Presse/Anlagen_PM_2012/120724_Demografiebericht%20RVMO.pdf

http://www.region-karlsruhe.de/fileadmin/files/Presse/Anlagen_PM_2012/120724_Gemeindeprofile%20RVMO.pdf